Feuchtigkeit messen nach einem Wasserschaden: Welche Messmethode eignet sich wann?

Jennifer Pfleger
von Jennifer Pfleger
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Michael Oswald
Michael Oswald
Bereichsleiter fapatrock
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Er ist unser Experte im Bereich der Wasserschadensanierung und Leckageortung. Sie haben Fragen? Michael Oswald freut sich auf Ihre Kontaktaufnahme.

Nach einem Wasserschaden reicht der Blick auf eine trocken wirkende Oberfläche nicht aus. Für Wasserschadensanierer ist entscheidend, wo sich noch Feuchtigkeit befindet, wie weit sie ins Bauteil reicht und ob die Trocknung tatsächlich Wirkung zeigt. Die passende Messtechnik schafft dafür die Grundlage.

Warum nach einem Wasserschaden messen?

Feuchtigkeit ist nicht immer dort am stärksten, wo sie sichtbar ist. Wasser kann sich über Fugen, Hohlräume oder saugfähige Baustoffe ausbreiten und Bereiche durchfeuchten, die von aussen unauffällig wirken. Aus diesem Grund ist eine systematische Feuchtemessung wichtig. Sie hilft dabei, durchfeuchtete Bereiche einzugrenzen, geeignete Trocknungsmassnahmen zu planen, Ausgangs- und Referenzwerte festzuhalten und den Trocknungsfortschritt zu kontrollieren.

Welche Messmethode passt zu welcher Messaufgabe?

Welche Messmethode sinnvoll ist, hängt davon ab, was genau festgestellt werden soll. Hier eine Übersicht:

  • Feuchtebereiche schnell lokalisieren und Flächen vergleichen: kapazitive Impedanzmessung
  • Feuchtigkeit direkt im Baustoff prüfen: Widerstandsmessung
  • Tiefe Schichten gezielt untersuchen: isolierte Tiefenelektroden
  • Randfugen und Dämmschichten prüfen: Flachelektrodensonde
  • Relative Luftfeuchtigkeit und Temperatur erfassen: RH-Sensor
  • Absolute beziehungsweise quantitative Materialfeuchte in mineralischen Baustoffen bestimmen: je nach Fragestellung CM-Messung oder Darr-Methode

In der Praxis kommen deshalb oft mehrere Messverfahren zum Einsatz. Besonders hilfreich sind Geräte, die verschiedene Messaufgaben kombinieren und sich mit zusätzlichen Sensoren erweitern lassen.

Ein Beispiel dafür ist unser Messgerät MEX5: Es verbindet die kapazitive Impedanzmessung am Gerät mit der Möglichkeit, externe Widerstands-, Tiefen- und RH-Sensoren anzuschliessen. Genau deshalb eignet es sich gut, um die verschiedenen Messprinzipien an einem konkreten Praxisbeispiel zu zeigen.

Feuchtigkeit messen mit dem MEX5

In unserem Video zeigen wir Ihnen unser Feuchtigkeitsmessgerät MEX5 in der Praxis mit verschiedenen Sensoren und Elektroden.

Das MEX5 arbeitet an der Geräteunterseite mit einer zerstörungsfreien kapazitiven Impedanzmessung. Es stehen zwei Messtiefen von ungefähr 10 und 30 mm zur Verfügung. So können oberflächennahe und tieferliegende Auffälligkeiten miteinander verglichen und Feuchteverteilungen auf einer Fläche eingegrenzt werden.

https://youtube.com/shorts/qdbxS8HelCM

Flachelektrodensonde für Randfugen und Dämmschichten

Mit einer Flachelektrodensonde kann über Randfugen tiefer in einen Bodenaufbau gemessen werden. So lassen sich Hinweise darauf gewinnen, ob beispielsweise auch die Dämmschicht von Feuchtigkeit betroffen ist.

Widerstandsmessung direkt im Baustoff

Bei der Widerstandsmessung werden Elektroden in den Baustoff eingebracht. Gemessen wird die elektrische Leitfähigkeit beziehungsweise der elektrische Widerstand zwischen den Elektroden.

Bei Holz kann das MEX5 mit geeigneten Stiftsonden den Holzfeuchtegehalt in %MC bestimmen.

Bei mineralischen Baustoffen wie Putz, Estrich oder Mauerwerk ist die Interpretation anders: Hier dienen Widerstandswerte vor allem dazu, Feuchteunterschiede und Feuchtegradienten zu erkennen. Unter anderem Salze im Baustoff können die elektrische Leitfähigkeit beeinflussen. Solche Werte sollten deshalb nicht ohne Weiteres als absolute Materialfeuchte in Masse-% interpretiert werden.

Soll ein exakter Materialfeuchtegehalt mit einem Referenzverfahren bestimmt werden, kommen je nach Baustoff und Fragestellung beispielsweise gravimetrische Verfahren wie die Darr-Methode oder die Calciumcarbid-Methode zum Einsatz.

Isolierte Tiefensonden für gezielte Messungen

Müssen tieferliegende Bereiche untersucht werden, können isolierte Widerstandselektroden in unterschiedlichen Längen eingesetzt werden. Die Isolierung ist dabei entscheidend: Sie sorgt dafür, dass die Messung gezielt an der nicht isolierten Sondenspitze erfolgt. So lässt sich die Feuchte in der gewünschten Tiefe besser beurteilen, ohne dass feuchtere Bereiche entlang des Bohrlochs das Ergebnis unnötig beeinflussen.

RH-Sensor für Luftfeuchtigkeit und Temperatur

Mit einem angeschlossenen RH-Sensor lassen sich relative Luftfeuchtigkeit und Temperatur erfassen. Je nach Sensor und Messmodus können zusätzlich weitere psychrometrische Werte wie Taupunkt oder Feuchteverhältnis bestimmt werden.

Solche Sensoren können beispielsweise für Messungen in Hohlräumen oder innerhalb bestimmter Bauteilaufbauten eingesetzt werden.

Der Vorteil des MEX5 liegt damit nicht nur in der zerstörungsfreien Impedanzmessung, sondern vor allem darin, unterschiedliche Messmethoden und Sensoren mit einem Gerät kombinieren zu können.

So messen Profis systematisch

Ein einzelner Messwert sagt bei einem Wasserschaden oft wenig aus. Aussagekräftiger wird die Messung, wenn sie systematisch erfolgt und dokumentiert wird.

Ein mögliches Vorgehen:

  1. Schadenbild erfassen: Betroffene Räume, Bauteile und Materialien aufnehmen.
  2. Referenzbereiche bestimmen: Wenn möglich mit vergleichbaren, nicht betroffenen Bereichen vergleichen.
  3. Flächen systematisch prüfen: Mehrere Messpunkte setzen und Auffälligkeiten eingrenzen.
  4. Messverfahren gezielt ergänzen: Bei Bedarf passende Elektroden, Tiefensonden oder RH-Sensoren einsetzen.
  5. Verlauf dokumentieren: Möglichst an denselben Stellen nachmessen und Veränderungen vergleichen.

Typische Fehler bei der Feuchtemessung

Nur an einer Stelle messen

Feuchtigkeit verteilt sich nach einem Wasserschaden selten gleichmässig. Einzelne Messpunkte können deshalb ein unvollständiges Bild liefern.

Messwerte unterschiedlicher Baustoffe direkt vergleichen

Ein Messwert auf Holz lässt sich nicht ohne Weiteres mit einem Wert auf Mauerwerk oder Gips vergleichen. Baustoff und Messverfahren müssen bei der Interpretation berücksichtigt werden.

Vergleichswerte als absolute Materialfeuchte verstehen

Insbesondere bei der kapazitiven Impedanzmessung dienen Messwerte bei vielen Baustoffen vor allem der Orientierung und dem Vergleich. Auch Widerstandsmessungen in mineralischen Baustoffen können durch Materialeigenschaften und Salzgehalt beeinflusst werden.

Deshalb gilt: Messwert und Messverfahren müssen immer gemeinsam betrachtet werden.

Nur die Oberfläche beurteilen

Gerade während einer Trocknung kann die Oberfläche schneller abtrocknen als tieferliegende Schichten. Unterschiedliche Messtiefen oder zusätzliche Messverfahren können hier wichtige Zusatzinformationen liefern.

MEX5, ME5, CME5 oder CMEX5: Welches unserer Messgeräte eignet sich?

Das MEX5 ist nicht automatisch für jede Messaufgabe die beste oder wirtschaftlichste Lösung. Wir führen deshalb verschiedene Feuchtigkeitsmessgeräte.

Das ME5 arbeitet ebenfalls elektronisch nach dem Impedanzprinzip und ermöglicht zerstörungsfreie Messungen mit zwei Messtiefen. Die Messwerte werden über eine analoge Zeigeranzeige dargestellt. Das Gerät eignet sich unter anderem für Feuchtekartierungen und Verlaufskontrollen.

Die Modelle CME5 und CMEX5 sind dagegen speziell für die Feuchtemessung an Beton beziehungsweise zementären Estrichen konzipiert und entsprechend werkseitig kalibriert. Sie können unter anderem Feuchtewerte für Beton sowie CM-Äquivalentwerte anzeigen.

Wichtig: Ein angezeigter CM-Äquivalentwert entspricht einer gerätebasierten, kalibrierten Vergleichsgrösse. Er ersetzt nicht automatisch eine tatsächlich durchgeführte Calciumcarbid-Messung, wenn diese für eine bestimmte Beurteilung oder Dokumentation erforderlich ist.

Das MEX5 ist besonders interessant, wenn unterschiedliche Messaufgaben innerhalb der Wasserschadensanierung mit einem Gerät abgedeckt werden sollen – von der zerstörungsfreien Feuchtekartierung über Widerstands- und Tiefenmessungen bis zum Einsatz externer RH-Sensoren.

Welches Gerät sinnvoll ist, hängt deshalb vor allem vom Baustoff, der Messaufgabe und dem benötigten Funktionsumfang ab.

Fazit: Beim Wasserschaden kommt es auf die richtige Messung an

Bei einem Wasserschaden geht es nicht darum, möglichst viele Messwerte zu sammeln. Entscheidend ist, das richtige Messverfahren für die jeweilige Fragestellung einzusetzen und die Ergebnisse korrekt zu interpretieren.

Die kapazitive Impedanzmessung hilft dabei, Feuchtebereiche schnell einzugrenzen und miteinander zu vergleichen. Widerstands-, Tiefen- und RH-Messungen liefern bei Bedarf zusätzliche Informationen.

Ein Multifunktionsgerät wie das MEX5 kombiniert verschiedene dieser Möglichkeiten und eignet sich damit besonders für Wasserschadensanierer, die unterschiedliche Messaufgaben flexibel abdecken möchten.

Sie sind unsicher, welche Messtechnik zu Ihren Einsätzen in der Wasserschadensanierung passt? Wir beraten Sie gerne bei der Auswahl des passenden Messgeräts und der geeigneten Sensoren.