Dämmschichttrocknung: Überdruck oder Unterdruck?

Michael Oswald
von Michael Oswald
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13. Jan 2026

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Wenn Wasser in die Dämmschicht gelangt, muss schnell und professionell getrocknet werden. Doch welche Methode ist die richtige: Überdruck- oder Unterdrucktrocknung? In diesem Beitrag vergleichen wir beide Verfahren und zeigen, wann welche Technik sinnvoll ist.

Warum die Wahl der Trocknungsmethode entscheidend ist

Ein Wasserschaden in der Dämmschicht ist ein ernstes Problem: Ohne gezielte Massnahmen drohen Schimmelbildung, Wertverlust und Gesundheitsgefahr. Die Wahl der richtigen Trocknungstechnik beeinflusst nicht nur den Erfolg der Sanierung, sondern auch deren Dauer, Kosten und rechtliche Absicherung.

Überdrucktrocknung: Schnell, aber mit Risiken

Bei der Überdrucktrocknung (auch: Drucktrocknung) wird trockene, erwärmte Luft über Kernbohrungen in die Dämmschicht eingeblasen. Die feuchte Luft entweicht durch die Randfugen oder Entlastungsbohrungen in den Raum. Dieses Verfahren ist in der Schweiz weit verbreitet und für viele Standard-Wasserschäden die Methode der Wahl.

Illustration wie Überdrucktrocknung funktioniert

Vorteile:

  • Schnelle Trocknung
  • Geringerer technischer Aufwand
  • Energieeffizienter

Nachteile:

  • Gefahr der Verteilung von Schadstoffen, mikrobiellen Stäuben und Faserstäuben aus dem Fussbodenaufbau über die vorhandenen Austrittsöffnungen
  • Nicht geeignet bei kontaminierten oder schimmelbefallenen Dämmschichten
  • Risiko der Druckerhöhung in der Bausubstanz

Einsatzbereich:

Standardverfahren bei Leitungswasserschäden ohne Schimmelbefall oder Fäkalienbelastung; ideal für Neubauten oder unbewohnte Räume ohne stehendes Wasser

Unterdrucktrocknung: Sicherer bei Kontamination

Bei der Unterdrucktrocknung (auch: Saugverfahren) wird ein Unterdruck erzeugt, sodass die feuchte Luft aus der Dämmschicht abgesaugt wird. Die Luft strömt kontrolliert durch HEPA – Filter, bevor sie in den Raum gelangt oder ins Freie geleitet wird.

Illustration wie Unterdrucktrocknung funktioniert

Vorteile:

  • Maximale Hygiene: Kein Austrag von Sporen, Keimen oder Mikrofasern in den Wohnraum.
  • Geruchsminimierung: Unangenehme Gerüche aus dem Estrich werden gefiltert.
  • Verhindert eine Kontamination der Raumluft bei Schimmelverdacht.
  • Rechtlich oft bevorzugt bei hygienisch relevanten Fällen

Nachteile:

  • Aufwändiger in der Technik und Handhabung
  • Höherer Energieverbrauch
  • Längere Trocknungszeiten möglich
  • Bei grösseren Schichtstärken nur bedingt möglich
  • Höheres Risiko verbleibender Restfeuchte, da Strassenbildung möglich ist

Einsatzbereich:

Zwingend erforderlich bei Schimmelbefall, Fäkalschäden, stehendem Wasser oder in sensiblen Umgebungen wie Spitälern, Kindergärten und bei Allergikern.

Schiebe-Zug-Verfahren (Push-Pull): Die Kombination

Dieses Verfahren kombiniert die Vorteile beider Techniken. Auf einer Seite des Raumes wird trockene Luft eingeblasen (Schieben), auf der anderen Seite wird sie aktiv abgesaugt (Ziehen).

Vorteile:

  • Optimale Durchströmung auch bei grossen Flächen.
  • Kontrollierte Luftführung: Minimiert das Risiko, dass Feuchtigkeit in angrenzende Bauteile gedrückt wird.

Nachteile:

  • Hoher Geräteaufwand

Einsatzbereich:

Bei grossen Flächen, schwer durchströmbaren Bodenaufbauten, komplexen Grundrissen oder wo keine Löcher gebohrt werden können.

Entscheidungshilfe: Welche Methode passt wann?

Die folgende Tabelle hilft, die passende Methode je nach Schadensbild und Umfeld zu wählen.

KriteriumÜberdrucktrocknungUnterdrucktrocknungSchiebe-Zug-Verfahren
Schimmel-/SchadstoffbefallNicht geeignetZwingend erforderlichBedingt (mit korrekter Einstellung)
Stehendes WasserNicht geeignetAls erste Massnahme, bis das Wasser abgesogen istBedingt (mit korrekter Einstellung)
HygieneanforderungenNormal (Luftreiniger empfohlen)Hoch / SensibelHoch
Effizienz / ZeitSehr hoch (schnell)Mittel (langsamer)Hoch (schnell)
KostenGünstigerHöherAm höchsten
RaumtypWohnbau / NeubauSpitäler, Allergiker, Kitas, Flachdächer, Terassen, WohnbauGrosse Flächen, spezielle Anforderungen, Flachdächer, Wohnbau

Wichtiger Hinweis: Ein Schimmelbefall ist zwingend vor der Trocknung zu sanieren.

Gefahren und typische Fehlerquellen

  • Falsches Verfahren gewählt: Wird bei Schimmelbefall Überdruck eingesetzt, kann das Sporen im ganzen Raum verteilen.
  • Unzureichende Abdichtung: Undichte Abdeckungen führen dazu, dass feuchte oder belastete Luft in angrenzende Räume strömt.
  • Fehlende Filterwartung: Bei der Unterdrucktrocknung sind verschmutzte Filter nicht nur ineffizient, sondern auch hygienisch riskant.
  • Trocknung zu früh beendet: Ohne Feuchtemessung besteht die Gefahr von Restfeuchte und Spätschäden.
  • Mangelhafte Dokumentation: Besonders bei versicherten Fällen oder Mietobjekten kann das zu rechtlichen Problemen führen.

Rechtliche Aspekte: Was ist bei der Dämmschichttrocknung zu beachten?

Insbesondere bei mikrobiologisch belasteten Schadensbildern kann die Wahl der falschen Methode rechtliche Konsequenzen haben. Unterdrucktrocknung gilt hier oft als Stand der Technik. Dokumentation, Filterwartung und Schutzmassnahmen sind essenziell für die rechtliche Absicherung gegenüber Versicherungen und Auftraggebern.

Kosten und Zeitaufwand im Vergleich

VerfahrenTrocknungsdauerTechnischer AufwandKostenfaktor
ÜberdrucktrocknungKurz bis mittelGering bis mittelNiedriger
UnterdrucktrocknungMittel bis langHochHöher

Merke: Die Wahl sollte nicht allein vom Preis abhängen. Eine ungeeignete Methode kann Folgeschäden verursachen, die deutlich teurer werden.

Fazit: Sicherheit geht vor Geschwindigkeit

Die Überdrucktrocknung punktet mit Tempo und einfacher Technik, ist aber nur in unkritischen Fällen zu empfehlen. Wo Schimmel, Schadstoffe oder sensible Nutzer betroffen sind, ist die Unterdrucktrocknung klar im Vorteil. Für Wasserschadensanierer heisst das: Immer den Einzelfall prüfen, sauber dokumentieren und im Zweifel auf Sicherheit setzen.

Bereit für den nächsten Schadenfall?
Unsere Geräte sind sofort einsatzbereit – robust, effizient und perfekt abgestimmt auf die Anforderungen der Dämmschichttrocknung.

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